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26.08.2020

LANDESSCHÜLERRAT NIEDERSACHSEN: PRESSEMITTEILUNG ZUM SCHULJAHRESANFANG

Der Landesschülerrat Niedersachsen unterstützt die ministerialen Pläne, die Schule morgen im "eingeschränkten Regelbetrieb" starten zu lassen. Schülerinnen und Schüler treffen nach einem halben Jahr wieder auf ihre Klassen, Freundinnen und Freunde sowie Lehrkräfte.
"Das Kohorten-System ist ein Wagnis, ermöglicht jedoch einen weitestgehend uneingeschränkten Lernbetrieb. Gerade zum Beginn des Schuljahres steht die Schule jedoch wieder vor großen Herausforderungen, da Reiserückkehrende ein unberechenbares Risiko für die Schulen darstellen. Hier hat das Kultusministerium verpasst frühzeitig angemessene Regelungen zur Risikominimierung zu treffen. Mehr Tests, Anschaffungen von Reinigungsanlagen oder die Möglichkeit, mit Szenario B zu starten, hätte den Entscheidungsspielraum der eigenverantwortlichen Schule gestärkt und bisher unbedachte und besondere Bedingungen der einzelnen Schulen ausgeglichen. Dennoch freuen wir uns darauf, dass wir Schülerinnen und Schüler wieder ankommen, gemeinsam und ohne Kontaktbeschränkungen in der Klasse lernen und uns hoffentlich wohlfühlen werden", denkt Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrates.
Den Landesschülerrat ist jedoch besorgt über die Unterrichtsversorgung im nächsten Schuljahr.
"Durch Corona fallen einige Lehrkräfte der Risikogruppen aus. Zudem kommt mit dem Wechsel von G8 zu G9 an den Gymnasien ein weiterer Jahrgang hinzu. Dies sorgt für den Wegfall von wertvollen Zusatzgeboten im Ganztag und kann in Teilen sogar die Erteilung des Regelunterrichts gefährden. Auch das Angebot eines "Lerntages Zuhause" und des Absenkens von Präsenzzeit in der Schule von fünf auf vier Tage ist zwar verständig und situationsgemäß richtig. Allerdings ist es auch ein Armutszeugnis, dass die Situation überhaupt soweit gekommen ist. Wichtig ist es, im neuen Schuljahr weiterhin jedes Fach zu unterrichten und keinen falschen Fokus auf die Hauptfächer zu setzen", befindet Ole Moszczynski, Vorstand des Landesschülerrates.
Bis zu den Herbstferien sollten die Lerndefizite festgestellt werden, die sich im letzten Halbjahr angesammelt haben. Darauf aufbauend müssen dann individuelle Lehrpläne geschaffen werden. Eine Flexibilisierung der Lehrpläne ist hier notwendig.
"In diesen Tagen ist es wichtig, das soziale Miteinander zu leben. Zusatzangebote, wie z.B. AGs, die Schüler der höheren Jahrgängen für die Jüngeren anbieten, würden unter den gebotenen Hygienemaßnahmen für einen besseren Zusammenhalt sorgen und Schulen nicht nur zu reinen Unterrichtsstätten verfallen lassen.", so Jayda Brown aus dem LSR.

Außerdem müssen die Lehrkräfte zeitnah auf Videokonferenzen und das Unterrichten von Zuhause vorbereitet werden, um für einen möglichen Wechsel zum Szenario B bei steigenden Infektionszahlen im Herbst gewappnet zu sein. Hier muss der Fokus auf das "echte interaktive Lernen" gesetzt werden. Einführungen in Konferenzsysteme, die Bildungscloud und das Erstellen von Lernvideos werden nötig sein.
"Schulschließungen oder Jahrgangsschließungen werden in diesem Schuljahr stattfinden, es liegt in der Hand des Kultusministeriums, das konkrete Handwerkszeug für dieses Szenario zu gewährleisten, damit digitaler Unterricht mehr als nur eingescannte Arbeitsblätter ist", stellt Kai Beddies, Mitglied des Landesschülerrats, fest.
Eine generelle Maskenpflicht im Unterricht lehnt der Landesschülerrat ab.
"Für uns gilt: Lieber Szenario B statt Maskenpflicht im Unterricht. Das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung im Schulgebäude und überall dort, wo eine Kohorte mit anderen interagiert, erachten wir hingegen als unbedingt notwendig und richtig", so Marike Leder, Mitglied im Landesschülerrat
Neben der Bewältigung der Krise sollte in diesem Jahr jedoch auch schon an den Lehren aus der Pandemie gearbeitet werden. Besonders wichtig wird dabei ein Blick auf die Unterrichtsinhalte sein.
"Aktuell werden an einigen Stellen bereits Inhalte gekürzt, ohne dass der Bildungsstandort gefährdet scheint. Dies führt doch unmittelbar zu der Frage, warum diese bisher im Unterricht behandelt wurden und ob man den Unterricht durch Änderungen der Inhalte oder größere Freiheiten für die Lehrkräfte aufwerten und modernisieren kann", so Henriette Jochens, Vorstand des Schülerrates.



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