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25.03.2020

Vorgaben des Kultusministeriums werden nicht flächendeckend umgesetzt

Seit nun mehr als einer Woche sind Niedersachsens Schulen geschlossen und der Unterricht entfällt ersatzlos. Das hat der Kultusminister bereits bei der Verkündung der Schulschließungen klargestellt und auch die folgenden Dienstanweisungen stellten dies klar.

So heißt es zum Beispiel in einem Brief des Kultusministers an die Schulleitungen und Lehrkräfte: “Wir haben uns dafür entschieden, dass der Unterricht in den nächsten zwei Wochen ersatzlos ausfällt und Schülerinnen und Schüler nicht mit Arbeitsmaterial versorgt werden müssen. Selbstverständlich können Sie das dennoch tun, eine Bewertung findet gleichwohl nicht statt.”
In einem anderen Schreiben auf der Website des Kultusministeriums steht: “Aufgaben, die seitens der Schulen gestellt werden, haben freiwilligen Charakter und dürfen nicht in die Leistungsbewertung einfließen.“

Obwohl von diesen Anordnungen Kenntnis herrschen müsste, setzen sich leider viele Schulleitungen und Lehrkräfte über diese hinweg und erteilen trotzdem verpflichtende Aufgaben.

In den letzten Tagen erreichten den Rat zahlreiche Zuschriften von Schulen in ganz Niedersachsen. Schulformübergreifend wird nicht nur beklagt, dass verpflichtende Aufgaben gestellt werden. Mit diesem Problem haben sich die meisten bereits abgefunden. Erschreckend ist vielmehr, dass einige Lehrkräfte ankündigen, die eingeschickten Aufgaben zu benoten. Als häufigster Grund wird dabei Unwissenheit vermutet. Trotz dessen entspricht es dem genauen Gegenteil der Anordnung des Kultusministeriums. Andere fühlen sich einfach nur von der Fülle der Aufgaben überfordert.

Dies geschieht meist in guter Absicht. Denn die Schüler*innen sollten die unterrichtsfreie Zeit nutzen können, um weiterhin zu lernen. Auch argumentierten einige Lehrkräfte, sie würden so den Schüler*innen Stabilität im Isolationsalltag zu geben.

Diese guten Absichten begrüßt der Landesschülerrat. Allerdings unterstreichen sie abermals, dass dieses Angebot nur freiwillig sein kann. Denn es ist gut und richtig, dass die Aufgaben nur freiwillig sein dürfen. Nicht alle Schüler*innen haben die Möglichkeit, zuhause Aufgaben zu bearbeiten würden könnten durch verpflichtende Aufgaben abgehängt werden.

„ Ein Freund von mir muss auf seine kleinen Geschwister aufpassen, weil die Eltern arbeiten. Und eine Freundin muss sich den Familiencomputer mit drei weiteren Geschwistern teilen. Beide haben nicht die Möglichkeit, jetzt in vollem Umfang Online-Aufgaben zu bearbeiten“, sagt Henriette Jochens, Mitglied im Vorstand des Landesschülerrates.

Gleichzeitig empfehlen die Schülervertreter*innen aber auch ganz deutlich, die freiwilligen Aufgaben anzunehmen.

"Wer kann, sollte sich Zeit nehmen für all das, was sonst im alltäglichen Schulstress untergeht. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt um Grundlagen zu wiederholen, sich nochmal den Stoff der letzten Wochen anzuschauen und Fähigkeiten, z. B. im Schreiben von Texten, zu trainieren”, appelliert Ole Moszczynski, Mitglied im Vorstand des Landesschülerrates.

Ein weiteres Problem zeigte sich in diesen Tagen auch in dem Verhalten, wie einzelne Lehrkräfte auf Schüler*innen reagierten, welche sie auf die Reglungen hinwiesen.

"Ich habe meinen Lehrer und meine Abteilungsleiterin auf die Vorgaben des Kultusministeriums hingewiesen. Als Antwort wurde mir gesagt, dass man im späteren Leben auch damit klarkommen müsse und wir deshalb die Aufgaben machen müssen", berichtet Jason Höfner, Schüler eines beruflichen Gymnasiums.

Eine andere Schülerin teilt mit, dass der stellvertretende Schulleiter ihrer Schule, als er auf die Anordnungen des Kultusministeriums hingewiesen wurde, nur gefragt hat, "ob es ihr Ernst sei" und alle weiteren Nachrichten ignorierte.

"Einzelne Lehrkräfte scheinen in ihrem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Teilhabe an Schulen leider noch nicht einmal im letzten Jahrzehnt angekommen zu sein", sagt Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrates.

Trotzdem gibt es auch Lichtblicke. Schülervertreter einer Schule rapportieren, dass die Schulleitung nach einem klärenden Telefonat am Anfang der Woche, noch einmal das ganze Kollegium an die geltenden Regelungen erinnert hat. Es zeigt auch nochmal, dass oft auch wirklich nur die Anordnungen missverstanden oder zwischen den Ebenen ungenau kommuniziert wurden.

"Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass der allergrößte Teil der Lehrkräfte nicht mutwillig gegen die Vorgaben des Ministeriums verstößt, sondern einfach nur gute Arbeit leisten will. Die einzelnen Lichtblicke zeigen, dass eine Erklärung, der Anordnung oft ausreicht, um eine Klärung der Situation und eine gute Lösung herbeizuführen", sagt Celina Kruithof, stellv. Vorsitzende des Landesschülerrates .

Diese Pressemitteilung entstand in Absprache mit dem Landeselternrat. Auch dieser steht Ihnen gerne für Statements zur Verfügung.



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